Fri 20 Nov 2009
Das #AudiMax und seine Feinde
Posted by socialhack under Aktivismus, Allgemein, University
[9] Comments
Ich halbe lange gehadert damit diesen Blogbeitrag zu schreiben. Was ich am letzten Freitag Abend vor dem Audimax gesehen habe liegt mir nämlich immer noch schwer im Magen. Es wurde schon öfters diskutiert wie links die #unibrennt Besetzung ist, ob Besetzung nicht per se ein Mittel der Linken ist, ob freie Bildung nicht ein Thema der Linken ist.
Diese Überlegungen in wie weit diese Bewegung sich einen ideologischen Anstrich gibt bzw. wie das Selbstverständnis einiger ihrer Mitglieder geartet ist, kann man lange und breit führen… Mich hat das nur begrenzt interessiert. Ich sehe die binären Kategorien von “Links” und “Rechts” als veraltet an und finde wir müssen darüber hinauswachsen. Viel zu oft hat sich ein Kompromiss in diesen Lagerkämpfen verloren.
Leider werden diese veralteten Kategorien verdammt real und lebendig, wenn farbentragende Burschenschafter vor das Audimax kommen. Zuerst hab ich diesen blonden Jungen mit der Schärpe nicht ernst genommen. Er stand da recht ruhig und wurde belagert von einer Gruppe von Leuten der Krisenintervention und einem sehr angetrunkenen Typen der laut brüllend verlangte, das “der Typ” hineingelassen werden soll. Es wurden Fotos und Videos gemacht und der blonde Junge grinste. Er stand da ganz ruhig und argumentierte mit seinem Publikum. Als ich in die Diskussion einstieg, versuchte ich herauszufinden was er hier tut. Er sagte er wäre der Vize-Chef seiner Burschenschaft und hier um Verhandlungen zu führen. Er wäre mit allen unseren Forderungen einverstanden, bis auf die Frauenquote. Ich hab versucht mit ihm zu argumentieren, in dem Moment dachte ich man könnte bei ihm vielleicht etwas erreichen oder zumindest seinen Standpunkt ausloten. Leute mit rechten Ideologien kenne ich aus meiner Schulzeit schließlich genug und solche Gespräche hab ich damals auch oft genug geführt.
Das Gespräch wurde allerdings sehr schnell abgebrochen. Die Krisenintervention kam zu uns und begann ein Gespräch mit mir zu führen, begann mich von ihm abzulenken. Als sie merkten, dass man mit mir reden kann, boten sie mich in den OrgaRaum und erklärten mir “the big picture”. Zu diesem Zeitpunkt hab ich nicht verstanden wieso sie mich nicht mit diesem Typen reden lassen wollten, schließlich ist es nicht ausgeschlossen da etwas zu erreichen und eine basisdemokratische Bewegung sollte Redefreiheit als hohes Gut ansehen. Rede- und Meinungsfreiheit gilt als Menschenrecht allerdings für alle, auch für die Rechten! Das schlägt sich allerdings mit einem Plenumsbeschluss, der farbentragenden Burschenschaften den Zutritt ins Audimax verbietet. Man erklärte mir das diese Burschenschafter nicht zum Reden hier sind, sondern ganz einfach um zu provozieren. Und das die Krisenintervention hier ist um Streit und Kämpfe zu verhindern, sie sind der Puffer zwischen den rechten Burschenschaftern die hinein wollen und den linken BesetzerInnen, die das mit Gewalt abwehren würden. Getrieben ist die Krisenintervention von der Angst, dass sobald es zu Gewalt kommt, bei der die Polizei einschreiten muss, diese Besetzung aufgelöst wird. Eine Angst, die ich sehr gut nachvollziehen kann, und auch unabhängig davon bin ich dafür hier simple Gewalt zwischen Links und Rechts zu verhindern. Wenn diese Geschichte hier HeldInnen braucht, dann wären es die beiden Mädchen der Krisenintervention mit afghanischem und taiwanesischem Migrationshintergrund, die durch ihr Einschreiten die ganze Nacht über dafür gesorgt haben das kein Blut fließt.
Zu diesem Zeitpunkt war ich aber noch nicht davon überzeugt, dass es einwandfrei richtig war was die Krisenintervention tat. Ich war der Meinung man muss mit den Leuten sprechen und ihnen den Raum geben zu argumentieren. Ganz im Sinne von Lucas Meinung “Wir müssen unsere KritikerInnen überzeugen”. Da verwiesen sie mich allerdings auf den Plenumsbeschluss farbentragende Burschenschafter aus dem Audimax auszuschließen und ihnen keine Raum zu geben. Den Beschluss kannte ich und sah ihn äußerst kritisch, aus oben genannten Gründen der Meinungsfreiheit. Aber viel kritischer ist die Tatsache, dass die reine Präsenz von Burschenschaftlern reicht um innerhalb der Audimax Bewegung eine Spaltung zu erreichen.
Lange konnten wir im geheiztem Pressezimmer nicht diskutieren, denn wir wurden bald raus gerufen mit der Ansagen die Burschis sind mit mehr Leuten zurück gekommen. Dort draußen fanden wir auch wieder den blonden Jungen mit der Schärpe, noch 4 andere Burschenschafter im Anzug und den einen besoffenen Typen der auch vorhin schon für den Burschenschafter argumentierte. Es fielen unzählige sexistische Aussagen und die gesamte Rhetorik war sehr darauf ausgelegt zu provozieren. Einige Leute machten sich daran mit ihnen konstruktiv zu diskutieren, allerdings ohne Erfolg. Es war kein sachliches Argument mehr möglich, sondern wurde nur noch provoziert. Dann kam die Gegenseite dazu. Zwei Punk Mädchen aus dem Audimax stiegen ein in das Gespräch, das zum Geschrei wurde.
Eines der Punk Mädchen spuckte dem farbentragenden Burschenschafter auf seine Jacke. Dieser grinste nur, aber der besoffene Typ begann daraufhin komplett auszurasten. Die Krisenintervention, die Securities der Uni Wien und ich waren daraufhin nur noch damit beschäftigt diesen Typen von dem Punk Mädchen fern zu halten. Die Burschenschafter hatten während dessen ihren Spaß und begannen laut zu lachen. Als wir sie ein weiteres Mal aufforderten zu gehen schrie der Junge mit der Schärpe nur noch “mit welchem Recht? mit welchem Staatlichen Recht willst du mich weg bringen?” und weil die ganze Szene vor dem Tor zum Audimax auf dem Gehsteig stattfand, hatte er recht.
Die Fronten waren verhärtet, weder die Punk Mädchen noch die Burschenschafter wollten verschwinden. Zum Glück löste die Kälte dann den Konflikt und alle Parteien zogen um ca. 4 Uhr früh ab.
Wer sind die Feinde des Audimax?
Sie sind Innen und Außen. Sie sind in jeder Form des Extremismus, der fest gefahrenen Ideologien oder diskriminierenden Grundhaltung. Ich hab an diesem Abend die Arbeit der Krisenintervention sehr zu schätzen gelernt, auch wenn ich anfangs gegen sie war. Sie machen einfach einen notwendigen Job um Gewalt zu verhindern.
Ich schreibe diesen Blogbeitrag einerseits weil ich es unvorstellbar finde, dass bis jetzt noch niemand über die Situation in der Nacht vor dem Audimax geschrieben hat und andererseits weil diesen Samstag eine noch größere Gefahr droht. Zitat eines Kettenmails:
hey leute,
morgen findet ja die demo um 19 uhr gegen die 150-jahr feier der olympia statt. ich wollt euch nur mal dazu ein paar zitate aus dem alpen-donau www.alpen-donau.info/ weiterleiten.
ich denk, dass es gut ist sich dessen bewusst zu sein und dass es enorm wichtig ist, dass das audimax dieses wochenende voll ist.
lg basti
“Bekanntlich befindet sich mit dem besetzten Hörsaal „Audimax“ ein Zentrum für Gewaltverbrecher in unmittelbarer Nähe zur Hofburg.”
“Bereits diesen Freitag wird aller Voraussicht nach die Gewaltorgie rund um den Kommers beginnen.”
Die Polizei wird mit entsprechenden Kräften im Einsatz sein. Wir empfehlen die Durchsetzung des „Vermummungsverbots“ sowie eine Räumung des „Audimax“. Darüber hinaus wünschen wir einmal mehr unseren Freunden bei der Exekutive: „Viel Spaß und Knüppel frei!“
“Offensichtlich ist einem Teil der Antifaschisten die SPÖ-Aktion zu wenig. Deshalb rufen jetzt auch die Bummelstudenten von ‘Uni-Brennt’ zu Krawallen auf.”
Die SPÖ, die „GrünInnen“ und diverse andere Halbweltsorganisationen mobilisieren einmal mehr den Abschaum der Menschheit gegen Deutschtum und Meinungsfreiheit. ….
“Die zu erwartende Orgie des Hasses, der Gewalt und Sachbeschädigungen, wird von den Kommersveranstaltern wiefolgt kommentiert:
„Kein Problem haben offenbar die Veranstalter des Festkommerses mit den Gegenveranstaltungen. Solange diese im gesetzlichen Rahmen blieben, handle es sich um demokratische Aktionen, sagte ein Sprecher. Die Burschenschafter hätten seit 200 Jahren für Meinungs- und Pressefreiheit gekämpft.“
Unserer Ansicht nach verlangen raue Zeiten auch eine rauen Ton.
Die Vergangenheit verpflichtet
Es ist Zeit die Faust zu bandagieren und die Glacéhandschuhe auszuziehen.”
9 Responses to “ Das #AudiMax und seine Feinde ”
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[...] burschenschaft, kommers, olympia, unibrennt by digiom Nachem ich soeben ein entsprechendes Blogpost von Thomas Lohninger gelesen habe, indem er berichtet, dass sich (farbentragende)* Burschenschaftler vor allem vor dem [...]
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[...] Das #AudiMax und seine Feinde [...]
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[...] finden müssen und es ist definitv niemandem geholfen wenn die neuen Proteste wieder durch eine ideologische Instrumentalisierung und viel zu mühsame Basisdemokratie die Sinnfrage bei den eigenen Unterstützern [...]

Wertvoller Artikel für mich als Hörsaalbesetzer. Zum Glück sind solche Provokateure bei uns noch nicht aufgetaucht.
Einziges Manko am Artikel ist die Verwendung des Extremismusbegriffes.Heutzutage ist es fein, sich “von jeder Art von Extremismus” zu distanzieren. “Extremismus” wird aus der (undefinierten) “Mitte” heraus definiert, mit der stillschweigenden Annahme, dass die “Mitte” vernünftig ist. Dabei ist der Begriff niemals sachlich verwendbar, sondern enthält immer eine Verurteilung: Wer weit von der “Mitte” abweicht, hat Unrecht, ist unvernünftig und kein legitimer Gesprächspartner. ohne dass eine inhaltliche Auseinandersetzung mit der Ideologie statfindet. Unentschuldbar ist die daraus resultierende Gleichsetzung von menschenverachtenden und emanzipatorischen Ideen. Ich wäre dafür, den Begriff ganz aus politischen Diskussionen herauszuhalten. (siehe auch http://de.wikipedia.org/wiki/Extremismus#Begriffsproblematik)
An sich garnicht so schelcht der artikel… ich kann vieles nachvollziehen.
Das Problem ist, dass diese (vermutlich unüberlegte) gleichsetzung von links und rechts mir den ganzen artikel madig gemacht hat…
Ich frage mich immernoch warum sogar studenten diesen extremismus-quark glauebn und sogar benutzen?!
die Extremismus-Theorie ist absolut überholt:
http://de.wikipedia.org/wiki/Extremismus
(Sorry hab grad nichts besseres gefunden, sagt aber im endeffekt auch das was ich meine: Extremismus ist nur ein plattes schlagwort der “politischen mitte” um jegliche gegner ihrer ideologie zu stigmatisieren und in einen sack zu stecken… ohne rücksicht auf idee/ideologie oder handeln… fragt mal eure soz-profs)
so. hoffe du lässt dir das mal durch den kopf gehen und ihr werdet irgendwie mit den burschis fertig…
viele grüße aus der besetzten Uni TÜ,
-1000-
ups, da war jemand schneller :) sehr gut!
Es stimmt schon, dass Links- und Rechtsextremismus sich von einander unterscheiden, es ist allerdings meiner Meinung nach so, dass Gewaltbereitschaft (und die gibt es auf beiden Seiten) in keiner Weise positiv sein kann. Das hat nichts mit einer wie auch immer gearteten “politischen Mitte” zu tun, die abweichende Ideologien diskreditieren will. Ich finde viel mehr, dass gewaltbereite Gruppen sich selbst diskreditieren und damit rechnen müssen, von der (zumeist weniger extremen) Mehrheitsgesellschaft nicht ernst genommen zu werden. Allein die Tatsache, dass hinter Extremismen eine dogmatisch verfolgte Ideologie steht zeigt außerdem, dass mit Extremisten nicht vernünftig diskutiert werden kann. Ideologien verblenden und sind nur selten logisch, sondern rein emotional begründet. Ich finde, man muss zwischen Ideologie und den weniger extremen Idealen unterscheiden, für die es sich zu kämpfen lohnt. Man kann auch links sein, ohne linksextrem zu sein. Nicht jeder, der Linksextremismus ablehnt ist gleichzeitig “bürgerlich” oder in der “politischen Mitte” anzusiedeln.
Ich stimme mit Thomas völlig überein. Den Begriff “Extremismus” zu verwenden war vielleicht etwas übereilt, trotzdem kann ich zwischen dem verhalten beider, klassische als “extrem” verstandener Gruppen praktische keinen Unterschied erkennen – bloß, dass Rechts* ehrlicher ist als Links*.
Und ich glaube auch, dass die binäre Logik von rechts* und links* eklatant veraltet ist und damit auch der Begriff der politischen Mitte.
Linker und rechter Extremismus stehen sich nahe. Weil Extremismus eben Extremismus ist.
Eine Schwierigkeit die wir in der Unterscheidung haben, ist die, dass wir den Nationalsozialismus als Rechts und den Marxismus/Kommunismus als Links einstufen.
Tatsächlich jedoch sind beide sozialistische Systeme. Wer weiß bei uns schon, dass A.H. lange Mitglied der kommunistischen Partei war, und erst als er sah, dass er dort ‘nix werde könne’, hat er eine eigene gegründet. Mehrmals wurde der Name geändert, bis es NSDAP hieß: nationale, sozialistische deutsche Arbeiterpartei.
Damit haben wir zwei Regelkreisläufe. Extremismus innerhalb der verschiedenen Ausformungen unterscheidet sich nur wenig. Und Sozialismus in den verschiedenen Ausformungen auch nur wenig.