Sa 24 Okt 2009
ein radikaler Gegenentwurf?
Posted by socialhack under Aktivismus, University
[14] Comments

Ich hab Jana Herwig gestern Abend gefragt wieso sie noch nichts über die aktuelle Besetzung des AudiMax an der Uni Wien getwittert hat. Durch diese Besetzung ist meine Twitternutzung nochmal quadriert worden. Nun ja, viel Twittern ohne etwas (dazu) von Jana zu lesen war komisch. Sie hat mir dann geantwortet und aus meinem Kommentar zu ihrem Posting wurde das hier:
Das ist was ich vermisst habe in den letzten zwei Tagen. Zwei Tage im Ausnahme-Zustand mit sehr vielen Leuten und extrem viel Austausch.
Ich hab von Anfang an versucht das Geschen im und rund um das AudiMax transparent zu machen. Darin hab ich meinen Beitrag gesehen und deshalb rede ich viel, hab einen Podcast gemacht und schreibe was so passiert
Zu einer richtigen Analyse bin ich bis dato noch gar nicht gekommen. Es war so überwältigend bei so einem Ereignis überhaupt dabei zu sein. Gleichzeitig spührt man dort auch nach einiger Zeit unbehagen, bei einigen der RednerInnen am Podium sogar ganz laute Warnsignale.

offenes Plenum
Die Bewegung im AudiMax schöpft ihre Kraft aus einer romantischen, linken Revolutionsphantasie. Es war schön zu sehen das so etwas in Österreich passieren kann und man will daran glauben. Ein Haufen unzufriedener, autonomer StudentInnen und 12 Forderungen, die von der Akademie der bildenden Künste formuliert wurden. Anarchie und Basisdemokratie heißt einerseits kreativer Freiraum im tun, aber auch instabile Entscheidungsfindung.
Ich hoffe wir haben es hier mit einer Revolution zu tun! Eine Revolution die naturgemäß zum Scheitern verurteilt sein wird, so wie auch die Mehrzahl ihrer Forderungen. Trotzdem kann sie Siegen, indem ihr Kern, ihre Stoßrichtung die Gesellschaft bewegt. Die Bewegung wird sich irgendwann verlieren, aber zuvor bietet sie hoffentlich genügend Reibungsfläche und Anstoßgspunkte um bleibenden Eindruck zu hinterlassen.
Damit wir uns richtig verstehen: ich bin dafür das diese Bewegung langfristige Veränderungen bringt und den Wert von Bildung als Menschenrecht und gesellschaftliches Anligen festschreibt. Diese Richtung ist mir wichtig und ich sehe sie als Kern in den Vorderungen.
Wie Jana sagt, jeden der Punkte müssste man kontextualisieren und diskutieren, um zustimmen zu können. Aber im Kern sind diese Forderungen doch nur der Versuch einen möglichst radikalen Gegenentwurf zum Status-Quo zu skizieren.
Ich verstehe meine Position als Berichterstatter und Übersetzer zwischen den Menschen die demonstrieren wollen und dennen die nicht verstehen was hier überhaupt passiert. Damit eine Veränderung spührbar bleibt müssen so viele Leute wie möglich von den Protesten mit bekommen. Wie die Geschichte hier ausgehen wird traue ich mich jetzt noch nicht zu sagen…
14 Responses to “ ein radikaler Gegenentwurf? ”
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[...] digiom Gestern habe ich mich auf Wunsch von Thomas Lohninger a.k.a. Socialhack (dessen Reaktion wiederum hier zu finden ist) gefragt: Was tun, wenn die #unibrennt? (Twitter scheint deswegen übrigens neuen [...]
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orf.at schreibt: “Die Proteste richten sich unter anderem gegen die Einführung des Bachelor/Master/PhD-Systems, Studiengebühren, Zugangsbeschränkungen und die in der Novelle des Universitätsgesetzes vorgesehenen qualitativen Zugangsbeschränkungen.”
Muss man darin ein Problem sehen? Klar, Bachelor und Master krankt teilweise bei uns in DE, aber es bringt auch viele Vorteile, z.B. dass man nach einem Abschluss den zweiten (Master) in einem anderen Land machen kann. Beim Diplom bin ich mir da nicht sicher.
Studiengebühren sind scheiße, da stimme ich zu.
Zugangsbeschränkungen sagt mir jetzt nur bedingt was, aber es gibt doch immer einen numerus clausus, wenn es zu viele Bewerber gibt. Irgendwie muss man die Bewerbungen ja auch kanalisieren, wenn man 10.000 Stellen hat, aber 100.000 Bewerber.
Nein, Stefan, das ist es ja: In Österreich gibt es bis auf bei den Studienrichtungen Psychologie, Veterinär- und Humanmedizin keinerlei Zugangsbeschränkungen – und dementspreched etwa auch Publizistik-Einführungsvorlesungen, bei denen der Hörsaal während des Vortrags so aussieht wie auf dem oben eingefügten Bild der Proteste. Zwar können die Unis mit einem “Notfallparagrafen” um die Einführumg von Zugangsbeschränkungen ansuchen, aber das ist a) aufwändig und wird b) kaum gemacht.
Das Resultat: Auch in “kleineren” Studienrichtungen wie Politikwissenschaft vollgestopfte Hörsäle, unzureichend Platz für unbedingt notwendige Seminare und ein Professoren-Studenten-Verhältnis von 1:131.
Und dann fordern manche dieser Protestierkasper auch noch ernsthaft “Bildung für alle”, also auch Unizugang für Nichtinhaber einer Matura/Studienberechtigungsprüfung. Der Lösungsvorschlag für die jetzt schon vorhandene Misere lautet dann immer: “Mehr Geld” – als ob das an strukturellen Problemen etwas ändern würde…
Ich bin auch sehr dafür, dass diese Revolution zu einer langfristigen Veränderung führt.
Studiengebühren zahlen onehin nur Leute über Mindestzeit, welche keinen triftigen Grund dafür haben wie Arbeit, Kinder, etc.
und Menschen aus Drittländern(meiner Meinung nach zurecht)
Also wer Studiengebühren zahlen muss ist entweder Ausländer oder faul.
Danke für die Antwort – eben weil ich den Protest nicht, wie mein Vorredner auf ‘darin ein Problem sehen’ reduzieren will, halte ich mich eher zurück. @Stefan N.C., den man in DE seit Jahrzehnten gewöhnt ist (seit wann eigentlich?), gibt es eben nicht in Österreich, weshalb man sich auch gegen dessen Einführung wehrt.
LN: “Also wer Studiengebühren zahlen muss ist entweder Ausländer oder faul.”
Und warum sollen “Ausländer” Studiengebühren zahlen müssen? Abgesehen davon will Minister Hahn die Studiengebühren ja wieder einführen.
“und Menschen aus Drittländern(meiner Meinung nach zurecht)”
Weshalb zurecht? Du hast innerhalb der EU das Recht, an einer Uni deiner Wahl zu studieren. Insofern stellt die Einführung einer Studiengebühr für Ausländer für mich den Versuch dar, sich selbst Vorteile zu verschaffen, was letztlich dann zu Nachteilen für alle führt (weil dann z.B. in jedem EU-Land Ausländer mehr oder überhaupt erst Studiengebühren zahlen müssen).
Das ist in etwa so als gäbe es Zoll für Importe nach Österreich (für Produkte, die ihr nicht haben wollt, sondern welche für die ihr einfach Absatzmarkt bietet), die anderen Staaten aber anbieten, dass ihr eure Produkte (auch wenn sie dort nicht unbedingt gewollt werden) zollfrei bei ihnen einführen und verkaufen dürft.
Das führt letztlich auch zu Zollschranken für alle ungewollten (aber vielleicht doch der Bevölkerung gefallenden) Importe und schadet damit den Bewohnern.
“ein Professoren-Studenten-Verhältnis von 1:131″
Klingt nicht so krass, an der nahegelegenen Mini-FH sind es teilweise schon 1:60 und das im Studiengang KST. Kann mir gut vorstellen, dass wir in Deutschland bei BWL auch viel höhere Zahlen haben.
Dass meine deutschen Kenntnisse hier nicht falsch verstanden werden: Ich bin immer dabei, wenn es um Demonstrationen für mehr soziales Zusammen geht etc…
Den Numerus Clausus muss man durchaus auch kritisch sehen, denn da werden Notendurchschnitte bewertet, die ggfs. gar nichts über die Fähigkeit des Menschen in dem jeweiligen Studiengang aussagen. Ob z.B. eine gute Deutschnote, bei der es ja nicht direkt um Deutschkenntnisse geht (sondern Intepretation von alten Dramen, Erörterung von Texten, Interpretation von Gedichten), wirklich Einfluss auf jemandes Leistung in der Biologie oder so hat, kann ich mir nicht vorstellen. Soweit ich weiß, werden Deutsch, Englisch, Mathe aber sehr gerne als Referenznoten zur Erstauswahl genommen.