Thu 11 Jun 2009
Offener Brief an den Grünen Vorstand
Posted by socialhack under Aktivismus
[11] Comments
Die letzten Ereignisse haben mich dazu gebracht diesen offenen Brief zu schreiben:
SG Grüner Vorstand,
ich schreibe ihnen, um meiner Ablehnung als Grüner Vorwähler zuvor zu kommen. Zu der Annahme bringt mich die verlautbarte Praxis, mit der sie gedenken zu entscheiden wer willig ist sich bei den Wiener Grünen einzubringen und wer nicht. Das genannte Kriterium, ob jemand auf Massenzusendungen verzichten will, da die Person sich selbstständig informiert, kann und darf kein Kriterium für eine Ablehnung sein! Mein Vormieter war oder ist Mitglied bei den Grünen und hat die Partei über seinen Auszug vor 2 Jahren nicht informiert, wodurch ich sowieso schon die Zusendungen der Grünen bekomme. Allerdings ist die Akzeptanz von Postwurfsendungen auch für andere VorwählerInnen kein Indikator ihrer Bereitschaft zur politischen Partizipation. Erst recht netzaffine Menschen sind es gewohnt sich ihren eigenen Informationskanal zu bauen und empfinden den Briefkasten als kein adäquates Kommunikationsmittel mehr.
Die Zahlen der UnterstützerInnen Anträge scheinen für den Vorstand beängstigend zu sein und die Checkbox ist womöglich ein gutes Mittel diese Zahl willkürlich zu reduzieren, damit nimmt man den Vorwahlen allerdings ihren Hauptnutzen für die Grüne Partei, nämlich ihre Dynamik und Offenheit. Zwei Kriterien die ich mir von den Grünen wünschen würde. Zwei Kriterien die, wie ich finde, leider in der öffentlichen Wahrnehmung fehlen.
Was kann ich tun? Obwohl ich noch nicht viele Jahre auf dem Buckel hab, versuche ich schon lange für meine Werte einzutreten. Das habe ich in dem Verein Junx in Wr. Neustadt getan, der Straßenzeitung Eibischzuckerl, meiner Tätigkeit als Schulsprecher, meinem Job im Diversity Projekt “Achtung für Alle” der Bundes Jugend Vertretung, dem Projekt Peer-ConneXion der HOSI Wien un meinem Zivildienst bei der Beratungsstelle ZARA. Neben dem Alltäglichen Diskurs, wo jedeR glaube ich auch etwas bewegen kann. Bei mir wären diese Tätigkeiten nicht so leicht recherchierbar gewesen wie bei Andreas Lindinger und wahrscheinlich wollte er sich, genauso wie ich, lieber selbst informieren.
Was kann ich für die Grünen tun? Die Bandbreite ist groß und nach oben hin offen. Es beginnt bei der Öffentlichkeit die ich selbst habe und den Menschen die ich so erreichen kann. Der Beteiligung an Aktionen online oder offline. Dem Mitwirken in Arbeitsgruppen zu Themen bei denen ich Kompetenz besitze. Das absolute Minimum und mein Versprechen als Unterstützer, ist meine ehrlichen Meinung.
Als Anthropologie Student verstehe ich mich in gewisser Weise auch als Übersetzter von einem kulturellen Kontext zum Anderen. Mein Versuch ist es bestimmt Grüne Themen in Bevölkerungsschichten zu tragen, wo diese noch nicht gehört worden sind. Dafür bräuchte es allerdings eine außerordentliche Überzeugung von den Grünen, die ich im Moment noch nicht habe. Es gibt Themen die mir absolut wichtig sind und wo die Grünen entgegen demokratischer Grundregeln argumentieren und sich dessen wahrscheinlich gar nicht bewusst sind.
Damit meine ich die politische Debatte zur Internetzensur, wie sie in Deutschland schon auf breiter Basis geführt wird. Über 116.000 Menschen haben dort eine Petition unterzeichnet, um zu verhindern das unter dem Deckmantel der Bekämpfung von Kinderpornographie Zensurmaßnahmen eingeführt werden. Ein Verein von Missbrauchsopfern gegen diese Maßnahme hat sich schon gegründet. Der Klubobmann der Oberösterreichischen Grünen Gottfried Hiertzer hat dann genau diese deutsche Argumentation, welche auf falschen Fakten basiert, im Landtag wiederholt. Mir ist klar, dass dieser Vorfall nicht in den direkten Einfluss der Wiener Grünen fällt, aber das ist auch eines der Dinge, die die Grünen Vorwahlen leisten können, die Grünen auf Themen aufmerksam machen, die enormes Mobilisierungspotential haben und in ihrer Tragweite von der Partei gar nicht abgesehen werden. Die Aufklärung und der Diskurs zu diesem Thema sind mir wichtig und ich finde damit kann man auch in den Grünen beginnen. Ich bringe dieses schwer verdauliche Thema, weil es in Österreich und bei den Grünen angekommen ist und ein zensurfreies Internet mein zentrales politisches Anliegen ist.
Ich glaube, meine Position ist klar geworden und Sie haben jetzt ein besseres Bild von mir. Das nicht alle UnterstützerInnen aufgenommen werden können ist mir klar, aber es muss andere Kriterien geben anhand derer Sie diese Entscheidung treffen. Ein prinzipielles und deutliches Bekenntnis zur Offenheit und Basisdemokratie vermisse ich leider auch noch. Ich denke es wird sehr wegweisend für die Grünen sein, wie mit den Grünen Vorwahlen umgegangen wird. Noch ist es nicht zu spät!
Dieser Brief wird auf meinem Blog veröffentlicht werden. Dadurch will ich Transparenz in der Aktion fördern und andere VorwählerInnen dazu anhalten ihre Position final zu argumentieren.
Kommentare sind eindeutig erwünscht!
11 Responses to “ Offener Brief an den Grünen Vorstand ”
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[...] keine Massenaussendungen. Obendrein gibt es folgende paradoxe Situation zu berücksichtigen, die Thomas Lohninger beschreibt: Das genannte Kriterium, ob jemand auf Massenzusendungen verzichten will, da die Person sich [...]
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[...] Ein “offener Brief” eines Vorwähler, ohne Hoffnung mittlerweile, liest sich auszugsweise wie folgt: SG Grüner Vorstand, ich schreibe ihnen, um meiner Ablehnung als Grüner Vorwähler zuvor zu kommen. Zu der Annahme bringt mich die verlautbarte Praxis, mit der sie gedenken zu entscheiden wer willig ist sich bei den Wiener Grünen einzubringen und wer nicht. Das genannte Kriterium, ob jemand auf Massenzusendungen verzichten will, da die Person sich selbstständig informiert, kann und darf kein Kriterium für eine Ablehnung sein! Mein Vormieter war oder ist Mitglied bei den Grünen und hat die Partei über seinen Auszug vor 2 Jahren nicht informiert, wodurch ich sowieso schon die Zusendungen der Grünen bekomme. Allerdings ist die Akzeptanz von Postwurfsendungen auch für andere VorwählerInnen kein Indikator ihrer Bereitschaft zur politischen Partizipation. Erst recht netzaffine Menschen sind es gewohnt sich ihren eigenen Informationskanal zu bauen und empfinden den Briefkasten als kein adäquates Kommunikationsmittel mehr. [via socialhack.wordpress.com] [...]
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[...] habe ja schon in meinem letzten offenen Brief auf den Klubobmann der Oberösterreichischen Grünen Gottfried Hirz verwiesen. Der liebe Mann hat [...]
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[...] habe ja schon in meinem letzten offenen Brief auf den Klubobmann der Oberösterreichischen Grünen Gottfried Hirz verwiesen. Der liebe [...]

lieber Thomas (wenn ich auch ohne persönliche Bekanntschaft beim Du bleiben darf)
danke für Deinen Brief, Deine Argumente, und Deinen Appell.
In der Tat ist es nicht zu spät.
Ich bin zwar nicht im Vorstand, der entscheidet, werde aber nicht zuletzt angesichts Deiner Zeilen versuchen, dass Du klarerweise als Unterstützer aufgenommen wirst.
Um die letzgültige Entscheidung wird intern derzeit noch heftig gerungen.
Es gibt sehr viele bei uns, die Euch als extrem wichtige Bereicherung unserer Partei sehen, genau in dem Sinne, wie Du es in Deinem mail argumentierst.
Wenn hier auch andere mitlesen, die noch kein Schreiben bekommen haben:
So ein mail, wie das obige wäre zur Klärung sehr wichtig!!
Wenn es noch eines Beweises bedurft hätte:
Die Grünen brauchen Veränderung!
Danke für Euer Engagement und Euren Langmut.
liebe gruesse
c.c.
@ Thomas
Habs fälschlicherweise bei den GrüneVW auch gepostet:
Weil ich keinen Papiermüll produzieren will, und mich besser und schneller online informieren kann, werde ich automatisch nicht aufgenommen?
Ich muss und werde mir jetzt sehr genau überlegen, ob ich so wie du ein zusätzliches Schreiben anfüge, um als Unterstützer akzeptiert zu werden…
Als Wähler werde ich umworben, als Unterstützer muss ich (Sorry, so fühlt es sich subjektiv gerade an) den Grünen in den Allerwertesten kriechen…
Ist keine Wertung deines offenen Briefes, ich finde ihn sehr gut! ;-)
Muss eine Nacht drüber schlafen, ob die Enttäuschung oder der Wille zur politischen Mitgestaltung einer besseren Zukunft für meine Kinder überwiegen…
Ein sehr sehr aufgewühlter, wütender und enttäuschter!
@philipp genau das ging mir auch durch den Kopf. Ich kann das Argument, dass der Verzicht auf Massensendungen einen mangelnde Beteiligungswillen darstellen soll absolut nicht nachvollziehen. Ich habe im EU Wahlkampf diverseste Wahlbroschüren in die Hand gedrückt bekommen, keine davon gelesen – außer zusätzlicher Papiermüll wohl kaum effektiv, es sei denn man interessiert sich von vorneherein dafür, eine Gruppe, die ich als sehr klein einschätze.
Ich selbst wurde aufgenommen, bin aber nicht ein einziges Mal persönlich von den Grünen kontaktiert worden, sicher es gab Gespräche, aber ich könnte nicht sagen, dass sich in diesen Gesprächen eine dezitierte aktive Mitarbeit meinerseits herauslesen hätte können. Genausowenig wie in meinem Blog.
Ich finde auch die Exegese der Statuten der Wr. Grünen hochinteressant – denn ich bin der Meinung, dass, wenn man einen Absatz in seine Statuten einfügt und dann unzufrieden über die Deutung desselben ist, dann wäre konsequenterweise bloß eine Reaktion glaubwürdig: die Entferung des Absatzes und somit auch die Ablehnung aller die sich auf diesen Absatz berufen.
Hab mich dazu durchgerungen, ebenfalls einen offenen Brief zu schreiben… ;-)
Hat a bissl länger gedauert (3 statt 1 Nacht), aber egal…
http://tinyurl.com/mokp7g
find ich lieb, lieber Chorherr
Aber ich kann mir nicht vorstellen, dass ich, wenn ich mich als Mitglied der Grünen eintragen lassen möchte – und nicht als Unterstützer – diesen Wirbel nicht über mich ergehen lassen muss. Und da spielt es keine Rolle wennn ich sage, dass ich zu den allerersten gehört habe. Und nie Mitglied war. ich selbst habe diese aktuelle Situation mitentschieden.
Aber ich erinnere mich noch ganz genau an die Aktion in der Schwarzspanierstraße 1985. Diejenigen, welche danach in die Grüngremien eingezogen sind, haben zu diesem Zeitpunkt jeden mitgebracht, der in der Lage war die Hand zu heben. Einer davon ist heute Bezirksvorsteherstellvertreter im Zweiten Bezirk.
Das war das Wahlvolk von der trotzkistischen GRM. Bis zum letzten Pensionisten sind sie angetanzt, um Erica Fischer solange gegen Meißner Blau antreten zu lassen, bis diese – nach erfolgreichem Herzinfarkt – einfach eine sich ans Hirn tippende Erica Fischer von dannen gehen gesehen hat.
Das war das Ende einer ziemlich anständigen Gruppe. Was danach kommt, ist mitnichten so anständig.
Aber, Macht korrumpiert. Wenn es sein muss, spricht man plötzlich über Statuteninterpretation wie Korbei.
Pfui, hier gibts nichts zu interpretieren. Die Statutenlage ist eindeutig, nicht einmal ein Prüfmechanismus steckt drinnen!
@Philipp
ich kenne das Gefühl im vollem Enthusiasmus gebremst zu werden. es ist wie ein Schlag auf den Kopf bei voller fahrt.
Aber wir dürfen die Grünen nicht fallen lassen. In diesem System sind sie die beste Partei und ich habe noch Hoffnung, dass der Fortschritsglaube die Angst besiegt. Also schreibe ihnen ein paar Zeilen, mit deiner persönlichen Motivation, was du tun willst und natürlich auch dem was du momentan Scheiße findest. Das müsste reichen um dich vom unbekannten (Vor)Wähler zu jemanden mit Gesicht werden zu lassen.
Die Grünen wissen noch gar nicht was für tolle Wähler sie haben!
Ich muss trotzdem eine Nacht drüber schlafen… ;-)