In dieser Woche haben wir die Vorratsdatenspeicherung mal ruhen gelassen und uns dem Thema ACTA gewidmet. Normalerweise nehme ich mir nicht die Zeit den Netzaktivismus Alltag hier zu dokumentieren, aber diese Woche außerordentlich viel Medienproduktion dabei war, will ich euch diese Inhalte nicht vorenthalten.

Am Dienstag war ich zu Gast bei einer ACTA Diskussion von Neuwal gemeinsam mit Michael Bauer vom Verein für Internet Benutzer Österreich (Vibe.at), Marco Schreuder von den Grünen, Hans Zeger von der ARGE Daten und Gerhard Ruiss von der IG Autoren und der Kampagne Kunsthatrecht. Moderiert wurde die Diskussion von Dominik Leitner und Dieter Zirnig.

Am Tag darauf hatte ich eine Live Radio Sendung bei Radio Orange über das Thema ACTA. Mein Gast war Markus Stoff von der Initiative für Netzfreiheit.


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Freitag veranstalteten wir ein Pressehintergrundgespräch gemeinsam mit dem unabhängigen EU Parlamentarier Martin Ehrenhauser, wiederrum Marco Schreuder von den Grünen und abermals Markus Stoff von der Initiative für Netzfreiheit.

Kurzfassung:

Langfassung:

UPDATE:
Fm4 Beitrag zu ACTA

UPDATE-2:
Es gibt auch ein tolles Video von der ACTA Demonstration in Wien. Überraschend wurde ich gebeten die Moderation der Kundgebung vor dem Parlament zu übernehmen. Ich bin nicht ganz glücklich mit dem was ich gesagt und nicht gesagt habe, viele Leute fanden es aber okay.

UPDATE-3:

Das Interview für Associated Press hat es zu Euronews in einen Beitrag gebracht.

Im Oktober 2011 haben wir das erste Podcast BarCamp Österreichs veranstaltet.

An 2 Tagen haben sich um die 35 Podcast-Enthusiasten im Sektor5 eingefunden um ihre Ziele, Erfahrungen, Zugänge und Faszination rund um das Medium Podcast auszutauschen. Um einen Eindruck von diesem Event zu geben, werden wir bald die Audio-Aufnahmen mehrerer Vorträge online stellen.
An dieser Stelle danke ich besonders an meine zwei Co-Organisatoren Pepi Zawodsky und Daniel Meßner und unserem Host Sektor5 für die großartige Gastfreundschaft!

Nun ist es aber mit einem Event nicht getan, denn obwohl sich die österreichische Podcasts Szene recht regelmäßig zu hören bekommt, fehlt es an persönlichem Austausch. Deshalb versuchen wir die Institution eines Stammtisches zu nutzen und ein monatliches Treffen zu etablieren.

Die ersten drei Termine:

  • 16. November 2011
  • 14. Dezember 2011
  • 18. Jänner 2012

(jeweils 19:00 im WerkzeugH)

Für weitere Infos folgt dem Twitter Account @podcastcamp und tragt euch ein in diesen Doodle.

Update: Im Rahmen des BarCamps haben wir eine Sammlung aller österreichischer Podcasts erstellt.

Update-2: Das Experiment ist geglückt! Wir bleiben – bis auf Widerruf – weiter bei jedem dritten Mittwoch im Monat im WerkzeugH.

At the Chaos Communication Camp I did a show about Queer Geeks to which the response has been overwhelming. I wanted to include this piece here as well, because the discussion about follow-up projects is still going on. So far there is nothing to name or link to, but if you want to get involved and join the discussion write me a mail on tom@<domainofthissite>.eu.

Am 28. April wurde die Vorratsdatenspeicherung im österreichischen Parlament beschlossen. Ich war vor Ort mit Manfred Krejcik, unserem netwatcher. Es wurde hitzig diskutiert und man hörte erstaunlich gute Argumente von der Opposition, das unvermeidliche Ergebnis der Abstimmung kam dann allerdings, wie zu erwarten, 110:67 für die Umsetzung der EU-Richtlinie.

Klare Empfehlung für alle wirklich interessierten, ist sich die original Debatte anzusehen (Teil1 und Teil2). Ein Teil davon wurde vom ORF Übertragen. Bei dem eigentlichen Tagesordnungspunkt und der Abstimmung, waren Manfred und ich allerdings fast die einzigen Journalisten auf den Presserängen.

Highlight war allerdings die Taalk Diskussion am Abend besagten Tages, mit Christof Tschohl vom Ludwig Bolzmann Institut, Peter Gildemeister von der Staatsanwaltschaft, Erich Moechel von FM4/FuZo und q/uintessenz, Michael Kafka von der DeepSec und Dr. Lederbauer, unseren Menschenrechtsexperten.

Feedback war bisher durchwegs positiv, auch vom Standard.

Ich schreibe diesen Text um Verständnis für WikiLeaks bei einigen Journalisten zu wecken. Insbesondere Journalisten von Medien, die ich eigentlich als extrem wichtig und kritisch erachte.

“Öffentliche Daten nützen, private Daten schützen.”
Hackerethik
nach Wau Holland, Chaos Computer Club

WikiLeaks wollte Journalismus niemals ablösen, sondern ihn nur dazu bringen seine Aufgabe wieder ordentlich zu erfüllen. Investigativer Journalismus ist teuer, der Falter weiß das am Besten! Wikileaks will die finanziellen und rechtlichen Hürden für die Veröffentlichung geheimer Dokumente, an denen öffentliches Interesse besteht, für die Journalisten abnehmen. Jedoch hatte das Projekt in seiner ursprünglichen Konzeption keine Präferenz für die Rolle des Vermittlers und wollte auch keine Interpretation liefern. So hat es Daniel Domscheit-Berg zumindest noch 2009 dargestellt auf einem Congress des CCC.

Mit der Cablegate exklusiv Veröffentlichung durch ausgewählte Zeitungen (The Guardian, Le Monde, El Pais, Der Spiegel und im Nachhinein New York Times) sind sie davon eindeutig abgegangen. Hier wäre auch zu fragen wieso gerade Al Jazeera nicht vorab alle 250.000 Depeschen bekam. Vieles liegt in der Medienlandschaft im argen, auch das weiß der Falter. Die Macht- und Besitzverhältnisse vieler Medien verhindern objektive Berichterstattung. Vorauseilender Gehorsam ist in vielen Redaktionen nichts Neues. Und ich rede jetzt hier nicht von Blattlinie, ob eine Zeitung eher links oder rechts ist, sondern Einfluss durch Werbefinanzierung oder der Angst die Möglichkeit zu verlieren Interviews mit Spitzenpolitikern zu bekommen.

Der Background von WikiLeaks ist in der Hackerszene, wie man es an der Strafakte von Assagen und der Nähe von Daniel Domscheit-Berg zum CCC erkennen kann. Daher kommt auch der Ansatz Probleme in der Gesellschaft zu identifizieren und nach praktischen Lösungen zu suchen. Das Problem ist in diesem Fall ein Ungleichgewicht im Zugang zu Informationen in der Gesellschaft und vermutete Verschwörungen in der Regierung oder in großen Konzernen. In der Dokumention WikiRebels des schwedischen Rundfunks und dem Text von Assange Conspiracy as Governence zeigt sich was die Gründe waren das Projekt zu starten und mit Ansätzen aus der Hackerkultur Probleme in der vierten Macht im Staat zu lösen.

Es ist die Aufgabe der Medien an dieser Stelle Informationen zu verdichten, verständlich zu machen und wieder als Korrektiv in der Machtverteilung zu wirken. Ansonsten werden solche Projekte wie operationleakspin.org mehr Zulauf gewinnen und versuchen diese Aufgabe zu erfüllen.

Der Aktuelle Infowar ist zu einem Infrastruktur Kampf geworden. Rechtlich ist es immer noch unklar ob das, was Wikileaks tut, überhaupt illegal ist, zumindest in der CableGate Affäre tun sich die Amerikaner schwer darin rechtliche Handhabe gegen Assange zu bekommen. Angriffsvektor sind deshalb Bezahlsysteme (PayPal, Mastercard, Visa) und Serverinfrastruktur (Amazon S3). Die DDOS-Angriffe auf diese Firmen wurden übrigens auch von Hackerorganisationen verurteilt.

Aus allem gesagten ergibt sich für mich die Notwendigkeit weiter über diese Sache informiert zu bleiben, mit Leuten darüber zu diskutieren, offenzulegen woher ich meine Informationen über diese Sache habe und zu versuchen zu vermitteln. Kurz gefasst: informierte ausgewogene Berichterstattung.

Links:

In dieser Woche jährt sich zum ersten Mal die AudiMax-Besetzung und der Beginn der europaweiten (und teilweise weltweiten) #unibrennt Proteste und Hörsaalbesetzungen. Die Zeichen für ein Wiederaufflammen der Proteste stehen gut. Es gibt in breiten Teilen der Bevölkerung Unzufriedenheit mit dem Fortschreitenden Abbau von Bildung und Sozialstaat, dem Missmanagement der Krise und in Österreich paart sich dies mit einer Solidaritätsbewegung gegen unmenschliches Bleiberecht und der Inhaftierung und Abschiebung von zwei 9 jährigen Zwillingen (siehe Petition gegen-unrecht.at die zu diesem Zeitpunkt gerade knapp über 50.000 Unterzeichner hat).

Ein Wehrmutstropfen ist für mich jetzt schon der Charakter von verordneten Proteste durch die Rektorenkonferenz. Schließlich wurde zu der Vollversammlung am Dienstag ja offiziell eingeladen und alle wurden für diese Zeit freigestellt. Während der Proteste habe ich oft die Unterstützung der Rektoren vermisst, schließlich wäre es in ihrem Interesse die politische Diskussion um die Ausfinanzierung der Bildung mit der notwendigen Öffentlichkeit und Unterstützung zu führen. Dies scheint jetzt ja auch langsam zu passieren bzw. aufgrund der baldigen Notwendigkeit Studienfächer auszusetzten (wie zum Beispiel auch meine Studienrichtung die Kultur- und Sozialanthropologie) wird es erzwungen. Aber wieso erst jetzt?
Es waren einige Wahlen im vergangen Jahr und es wurde viel über soziale Gerechtigkeit gesprochen. Aber nun ist die nächste Volksentscheidung wieder zwei Jahre entfernt und die Regierung ist sich ihrer Macht im Moment so sicher, dass sogar wieder über Finanzen gesprochen wird. Im Moment ist das einzige Druckmittel wieder die Zivilbevölkerung und der gesunde Menschenverstand derjenigen, die von Berufswegen her einen solchen noch Verwenden dürfen.

Gleichzeitig kenne ich aber auch den Unwillen vieler Studierenden wieder in Ausweisquartieren Lehrveranstaltungen abzuhalten und mit ihrem Studium nicht weiter zu kommen. Wir sind schließlich auch Kinder unserer Zeit… Diese Balance wird sich erst finden müssen und es ist definitv niemandem geholfen wenn die neuen Proteste wieder durch eine ideologische Instrumentalisierung und viel zu mühsame Basisdemokratie die Sinnfrage bei den eigenen Unterstützern aufwerfen.

Sehr spannend fand ich das Konzept der Guerillia Proteste. Die Idee kam mir und sicherlich auch anderen bei der Besetztung des Hörsaals 1 im NIG am 10. März 2010 und der kurzzeitigen Besetzung des AudiMax am 10. Mai 2010 nach der Besetzung des Rektorats. Prestigeträchtige Objekte für kurze Zeit besetzten, dort ein Plenum abhalten und vor dem Eintritt der Räumung freiwillig das Feld räumen. Gemeinsam mit dezentraler inhaltlicher Arbeit und medialer Unterstützung, lässt sich so ein politischer Druck bei den anstehenden Debatten um das Universitätsbudget aufrecht erhalten ohne all die negativen Konsequenzen einer permanenten Besetzung zu haben.

Vielleicht ist aber auch endgültig eine Dezentralisierung der Bewegung die beste Lösung. Den Namen #unibrennt kann jede_r für sich beanspruchen und mit Ausnahme weniger, sehr intransparenter Arbeitsgruppen gab es nur das Plenum als zentrales Steuerungsorgan.

Spätestens wenn es zu Verhandlungen kommt, wird die Frage nach legitimierten Entscheidungen sich aber nicht mehr hinauszögern lassen. Liquid Democracy sehe ich da immer noch als die beste Chance gegen versumpfende Basisdemokratie. An der Stelle beteuere ich wieder, Basisdemokratie ist eine sehr gute Form der Entscheidung, bei kleinen Gruppen. Aber bei tausenden Studierenden ist es einfach nicht mehr möglich mit einem offenen Basisdemokratischemplenum irgendetwas weiter zu bringen, das auch bestand hat.

Es wäre auch ein wirklich starkes Zeichen für die Politik und deren viel ernsthafteres Legitimierungsproblem, wenn es eine Gruppe von Studierende mit Tools wie Liquid Feedback oder Adhocracy schafft sich und ihre Entscheidungsprozesse komplett transparent und demokratisch zu organisieren.
Hier wären Piratenpartei, Metalab und alle geek- und nerdpower Österreichs gefragt, einer allein kann dieses Projekt nicht stemmen.

Es wird ein spannender Herbst und hoffentlich tut sich was!

einen Herzlichen Dank an Sebi!

I have heard rumors about my rare blogging scheme. It looks like I need some kind of external starting point to get myself going. This article again started as a comment on this article and is around a topic that moves me:

I share most of your analyses of the general situation concerning copyright restricted materials, but see some fundamental differences between music and academic texts.

One important point shared by a hacker and academic mindset is the fundamental claim that all information should be free. This is the most effective way to increase knowledge by allowing others to build upon what already exists and the opposite scenario of restricting access to certain information arises the difficult decision upon who draws the line of what’s available to the public and what’s not. Especially when a cultural work, may it be a text, music or recipe, becomes so widely popular that whole generations are influenced by it, we would loose a lot of our freedom of thinking and acting by restricting it to commercial interests. Walt Disney is such an bad example.

I am part of the generation you are writing about. For me PDFs are nearly the only source for my academic reading and I love it this way. I have grown up in the digital age and I am used to reading on screen, organize and backup digital and most of all: share the things I like.
That’s the most essential value added by lossless digital copying which goes hand in hand with the human desire to share (see Marcel Mauss – the gift)!

That content producers want to have money for what they do is a fact I know from experience. I am doing my podcast Talking Anthropology and not getting any money out of it so far, but this doesn’t decrease my motivation and pleasure for this project. At one stage I definitely would like to live from it, just because it should be the aim of every human being to be able to do what we really love. But the internet is new and we are still at the beginning of implementing micro or social payment systems, like flattr for example.

The problem I see at the moment is the fragmentation of the system. In my opinion it would have been the duty of Universities to implement systems were the texts of their scholars are downloadable and discussable. Imagine a distributed repository for all texts of a certain discipline with the space of discussing and peer reviewing them.
If we would have such a system in social science it would be only one further step to implement a payment system, but not for buying access to the texts, instead honoring the authors of the texts one has just read, because we are all so active readers this would be a much more direct and a just form of quality review, filtering and payment.
Right now most of the money one spends for a scientific book is going to the publisher, who in most cases does nothing else for this money then giving his name and printing someone else’s work on dead trees. Are these companies the types of gatekeepers we want to have in this digital 21st century and do we want to rely upon them as our major filter or quality standard?

Dieser Artikel ist eine Reaktion auf den Blogpost von Marco Schreuder vom 17. März 2010.

Auf so einen Blogpost hab ich schon lange gewartet! Als bisexueller Junge war ich das erste mal mit 15 Jahren auf einem CSD und bis heute bleibt ein schlechter Beigeschmack bei dieser Veranstaltung.

Das Grundproblem der Wiener Szene ist, meiner Meinung nach, die Kommerzialisierung und der stark homogenisierende Gruppenzwang, beides ist Offensichtlich bei dieser Veranstaltung und prägt stark das Bild des “Anderssein” in der Österreichischen Gesellschaft.

Viele hetero Freunde und Bekannte haben eine offenere und unverkrampftere Lebenseinstellung zu Homosexualität und Sexualität im Allgemeinen als die meisten Menschen, die ich in “der Szene” kennen gelernt habe.

Die Regenbogenparade ist Ausdruck dieser parallel Realität und Feier des Anderssein.
Ich sehe es keineswegs als schlecht an, wenn Menschen ihre Diversität offen zeigen, ich fände es wunderbar wenn wir dazu die verkrampfte Ringstrasse zu unserer Bühne machen. Aber muss es jedes Jahr immer dieselbe retro Homonormative Show sein?
Wo bleiben die Schwulen Punks, die lesbischen Akademikerinnen, die HipHop Jungs oder die ethno Frauen? Wo wäre überhaupt ihr Platz zwischen all den GoGo Tänzern, Kommerz Disco Wagen und Poppers Werbern auf der Parade?
Die Grünen und die GAJ sind noch am ehesten wirklich Offen in diesem Spektrum, trotzdem sehe ich in diesem kommerziellen Zirkus keinen Platz für mich als sexuell selbstbestimmten Aktivisten.

Politisch ist die Parade eindeutig ein machtvolles Instrument und auch  ein wertvoller Indikator in restriktiveren Gesellschaften. Aber spiegelt die Parade wirklich die Lebensrealität und politischen Forderungen der vielfältigen homosexuellen Lebensrealitäten Österreichs? Oder wird sie zu 95% geprägt durch die Handvoll Wiener Szene Lokale?

Vor einigen Jahren haben wir mit der Wiener Neustädter LesBiSchwulen Jugendgruppe “Junx” versucht den Demonstrationscharakter mehr herauszustreichen! Ein Jugendwagen mit HipHop und geschmückt mit Klischee-Sprüchen. Auf einmal gab es dort auch Jugendliche auf diesem Truck, Leute die sonst eher abseits der Parade stehen.

Junx Wagen Regenbogenparade

Die Wiener Szene ist zum Beispiel verglichen mit den funktionierenden TransGender Szenen in Berlin ein kompletter Außenseiter, hier gibt es nur eine Art des Anderssein. Female to Male Transgender kommen nicht mal in einen Bruchteil der Schwulenlokale in Wien. Was sagen die Grünen zu dieser Art Türsteherpolitik?

Die Queer Szene muss aus mehr als normativen, kommerziellen Räumen und Lebenskonzepten bestehen. Ansonsten sollte die Parade ehrlicher werden und keinen Allgemeinen Anspruch der Repräsentation stellen.

Twitter ist verführerisch!

Es gab bis jetzt keinen Web2.0 Service, der mich so in seinen Bann gezogen hat und die Verlockung ausstrahlt mehr zu sagen, als ich eigentlich will. Es gibt eine Grenze für das was ich (im Internet) von mir veröffentlicht wissen will. Ganz klar gehören für mich zu dieser Kategorie Aussagen die in die Privatssphäre Anderer eingreifen, meinen Gesundheitszustand betreffen, (Geschäfts-)geheimnisse verraten oder zu stark in den sexuellen Bereich gehen.

All diese Dinge, außer dem Ersten, bergen innere Reize doch darüber zu twitternschreiben, schließlich befinden sie sich in einem gesellschaftlichen Spannungsfeld und offener Austausch darüber funktioniert meistens nicht so gut wie bei anderen Themen. Auch gerade weil ich ein Mensch bin, der leidenschaftlich kommuniziert und sich austauscht, will ich die Bereicherung durch Kommunikation auch auf andere Ebenen heben und entdecken was möglich ist.

Gleichzeitig gibt es sehr gute Gründe in unserer aktuellen Gesellschaft über gewisse Bereiche Stillschweigen zu bewahren. Zu groß ist die Gefahr negativer Konsequenzen oder Missverständnise.

Was treibt mich nun dazu diesen Blogeintrag zu schreiben. Über das zu schreiben, worüber ich eigentlich nicht schreiben will?
Es gibt einen inneren Drang danach!

Ich habe, vor allem bei #unibrennt, die Lust entdeckt aktiver Teil eines sozialen Netzwerks zu sein. Selbst ein Relay im Netz zu sein, zu filtern, zu selektieren, zu interagieren, zu kommunizieren. Es istwar ein bemerkenswertes Gefühl, dass ich teilweise hatte, als ich während den Hochzeiten den unsereuni Account neben meinem eigenen betreute.

Was ich mit diesem Artikel versuche, ist auch nicht der Versuch einer Antwort auf die Frage, die ich stelle. Sondern mehr ein Hinweis auf ein Phänomen, dass noch sehr groß werden wird mit dem Fortschritt des digitalen Zeitalters.

Wo werden Menschen diese Grenze des Privaten ziehen, die mit diesen Medien wirklich aufgewachsen sind und ihr soziales Umfeld zur Gänze in diesen Medien spiegeln?
Kann eine Privacy Einstellung die feingliedrige Maschinerie des menschlichen Vertrauens abbilden?
Oder werden wir – wie so oft als Menschen – einfach unser Scham verlieren?
In unserer Geschichte sehen wir wie sich Werte und Öffentlichkeit verschieben, wobei gerade hier kulturelle Unterschiede noch größere Differenz bilden als Jahrhunderte.


Ich bleibe Optimist. Solange ich kann. Mir bleibt das positive Gefühl der Vernetzheit, und wie @timpritlove neulich in einem Interview sagte, lohnt es sich ins kalte Wasser zu springen und zu den unentdeckten Flecken der Landkarte zu reisen, um zu berichten von fremden Drachen und Schätzen.

quintessenz und UBIT haben dieses Jahr zum ersten mal das geniale BigBrother Stipendium ins Leben gerufen. Damit sollen Menschen motiviert werden für Datenschutz und digitale Menschenrechte aktiv zu werden.

Die Bekanntgabe des Stipendiums ist heute im Rahmen des q/Talks zu Nacktscannern um 21 Uhr im Museums Quartier, Electric Avenue, Raum D.

Hier ist meine Einreichung für das Stipendium:

Projekteinreichung für das Big Brother Stipendium 2010

Der Audio-Podcast „Morsezeichen“ bringt Grundkompetenz in digitalen
Menschenrechten und Netzkultur zu einer neuen Öffentlichkeit!

Themen, die fortlaufend wichtiger für immer mehr Menschen werden, müssen auch richtig aufbereitet sein. Ein Podcast eignet sich um eine große Anzahl an Menschen über komplexe Sachverhalte aufzuklären – ein mannigfaltiges Thema mit vielen Facetten (wie z.B. Netzneutralität, Datenschutz und Datensicherheit) lässt sich auf rein textlicher Ebene kaum vermitteln. Wir wollen Grundkenntnisse schaffen, Gefahren aufzeigen und positive Aspekte herausstreichen.

Das Morsezeichen war der erste Code, der die Menschen weltweit verbunden hat. Sein Beep Ton ist allen Menschen bekannt und zum Inbegriff für Telekommunikation geworden. Besonders, wenn der Wirkungskreis über Internet-affine Menschen hinaus ausgedehnt werden soll, hat dieser Podcast das Potential, diese Menschen zu erreichen.

Beispiele für Sendungen im Jahr 2010:

  • digitales ABC – Begriffe erklären (Web 2.0, Datenschutz, Firewall, Data Mining, Netzneutralität,…)
  • Praktische Tipps (Festplattenverschlüsselung, Backupstrategien)
  • Datenschutzbeauftragte in Österreich
  • freie Lizenzen für ein freies Internet (Creative Commons, Public-Domain, Lizenzprobleme)
  • Netzneutralität und wieso wir nicht darauf verzichten können
  • Vorratsdatenspeicherung | Auswirkungen auf Wirtschaft und Demokratie
  • die Arbeit eines Watchbloggers: Netwatcher24
  • Landtagswahl Wien 2010: Gespräche mit allen Parteien
  • Internetforschungsgruppe Wien | Mediennutzung von Jugendlichen
  • Games City / F. R. O. G. 2010 | Rathaus
  • Freiheit vs. Sicherheit | ein philosophisches Gespräch
  • Big Brother Awards 2010
  • Sicherheitslücken verständlich machen (GSM, WEP, SSL), Exploits erklären, Konsequenzen aufzeigen, Handeln der Hacker erklären
  • Hacker (Kultur, Geschichte, Ethik)
  • Berichte von den großen Hackerkonferenzen 2010 (Easterhegg, SIGINT, 27c3,…)
  • neue Kulturproduktionsformen im Netz (Collaboration, CrowdSourcing)
  • aktuelle Themen (Datenpannen, gesetzliche Veränderungen, Unvorhergesehenes,…)

Das Format soll prinzipiell bidirektional gestaltet sein, offene Feedback-Kanäle werden direkt in das Sendungskonzept und die Gestaltung miteinbezogen. Ziel des Podcasts ist es zu sensibilisieren, eine Referenz aufzubauen und Leute für das Netz zu begeistern!

Durch kontinuierliche Veröffentlichung neuer Sendungen, dem Vorstellen und Vernetzen des Projektes auf BarCamps und im studentischen Umfeld und der Kooperation mit Radio- Sendern und anderen Medien, soll ein möglichst großer Kreis an RezipientInnen erreicht werden. Der Podcast beinhaltet selbstverständlich ein Logo und einen Jingle, sowie zu jeder Folge einen Blogeintrag und einen Wikiartikel.
–> http://www.morsezeichen.org

Trägerverein

Die NPO Transforming Freedom ist Trägerverein des Projekts. Ziel von Transforming Freedom ist die freie Bereitstellung von Vorträgen und Interviews mit Fokus auf digitaler Kultur. Aus den sich überschneiden Zielvorgaben beider Plattformen ergeben sich Synergien in der Form, dass ausgewählte Podcast-Folgen transkribiert werden und neben erweiterten Zitations- und Suchmöglichkeiten als Zusatznutzen auch barrierefrei zur Verfügung stehen.
–> http://transformingfreedom.org

Projektleiter

Projektleiter ist Thomas Lohninger, geboren am 23.12.1986 in Wien. Ich studiere an der Uni Wien Kultur- und Sozialanthropologie, arbeite halbtags als Softwareentwickler, engagiere mich seit meinem 14. Lebensjahr in NGOs aus dem Umfeld von Menschenrechten (Zivildienst bei ZARA, Anti-Diskriminierungs-Trainer der BJV), bei den Grünen Vorwahlen und zuletzt bei den #unibrennt-Protesten.

Als Anthropologe übersetze ich zwischen verschiedenen Kontexten und versuche Verständnis unter themenfremden Menschen zu erzeugen. Genau das war der Grund, weshalb ich im Sommer 2009 mit meinem ersten Podcast „Talking Anthropology“ begonnen habe:
–> http://talkinganthropology.com

Talking Anthropology verfolgt eine ähnliche Strategie wie der Morsezeichen-Podcast, mit dem Fokus auf anderen Themen und einem eher akademischen Publikum. Das Grundkonzept ist aber schon gut zu erkennen.

Ich will diesen Podcast machen und das Big Brother Stipendium würde mir die Möglichkeit dazu geben! Damit hätte ich die Zeit und Ressourcen, um den Morsezeichen- Podcast professionell zu produzieren und in einem breiten Personenkreis zu etablieren. Wenn das Projekt gestartet wird, sehe ich es als längerfristige Verpflichtung, es als den Netz-Podcast in Österreich zu etablieren und den Brückenschlag zu neuen Menschen zu schaffen, die heute noch nicht so begeistert und bewandert vom Internet sind wie wir!

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